markus hofer
 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
ein zeichnender gedanke

… ein zeichnender Gedanke? (Du): vermalen – vermaledeit! (Ich) … und dein Herzbelagerungszustand? (Ich): lockerte sich nur langsam (Du) … und zwischen den hochmütigen Blicken?: vielleicht doch ein befreiendes Wort, oder so etwas wie: Mondaugengewächs; die Sonnenblume verneigt sich, der Himmel? - verblüht; haarklein – Harlekin und: ein Zitronenfalter dicht flitternd über der aufgegangenen Rose: „meine Bauch- und Kopfnervosität“ (Ich); beseelte? oder doch verhehlte Welt; erstarrte Seeligkeit und: Die Tage flogen darüber hinweg wie Raben; eine hüpfende Fuge; Pfauenwimpern; und oft die Angst meine Kultur und somit mein Leben ausgespielt - verspielt zu haben: über den schweigenden Dingen (oder Papier) sitzend, im Rampenlicht des Verfallbewusstseins: in den Rissen? ein weites – längst unerforschtes (Land?) Feld ... „Was hattest du gesagt?“ (Ich): vielleicht hattest du den Faden verloren: entwickelt, vielleicht hatte ich ihn aufgenommen: verwickelt, ihn eingesteckt: denn plötzlich waren wir verschwunden, wahrscheinlich ausgedrückt: hattest du dich ausgedrückt? hinausgedrückt?: Unser hermetischer Raum! ... und von draußen hattest du beinah gerufen: „Weitermachen! Einfach Weitermachen! können wir nicht einfach? ...“ Ein Fach: Pfauenfedern; herbstledern die Klaviatur des Kreises; getrocknete Worte ... und beim Erwachen zwischen Bild und Sprache?: das Herz: nämlich die innere Gerechtigkeit - (Prawda), also als Zeitung zugesandt: per Post? (Pose); vielleicht wertvoll oder weltvoll; Mundlandschaften: und von jeher ins Jenseits gebaut der Triumph des menschlichen Geistes, denn: seine Unkultur bis an den Rand: den Abgrund ... „Eine neue Sprache!“ riefst du: entzweckte Sprache – eine neue Wirklichkeit!: und mit dem flügelleichten Gerät der schöpfenden Leidenschaften ... (The great artist of tomorrow will go underground. Marcel Duchamp); dann die vibrierende Angst vor der fremden Erde: ein verbrauchter Schuhabsatz und im Schlaf : Halbschlaf, getrieben vom anderen Geschlecht, der anderen Sprache – Geisteskörpersprache – Geste: dann federnde Schritte: kurz - kürzlich; nördliche Herbstseeluft, die Fahnenmasten dick und leer: Schiffsbauchweh, und die Revolutionssprache verpachtet - verfrachtet: kulturologische Immunologie, doch unter der Oberfläche?: Unterfläche; und mit der flachen Hand in die Erinnerung gegriffen und doch nichts erreicht – errichtet: weil keiner keinen begreift: sodann erschlug er: (Kain) : Abel; aber niemand und Nichts; und in den ausgetretenen Schuhen (verstohlen) ein Wetterleuchten, während die Katze (entlegen) ihr letztes Ultramarin trinkt ... Dann einmal um den ganzen Frieden (russisch) gefahren - gesegelt, und vertäute Blicke, parkeinwärts, felsig, ein Monolith wie in ... „Und seht her! Dort hängt es, das Zaumzeug der Sprache“, riefst du, lasst es hängen! geht weiter! Zaum-wärts!: nämlich verlegene Buchstaben, Eselswörter, verflogene-erlogene Buchstabenoffiziere oder -uffizien, und Aufwortungen aus der linken Flanke oder Flasche: denn den Sprachen die Fälle über die Ohren ziehen: nämlich anschlagverzetteln, und die Brandung des Leierkastens vor dem Wortstrudelteig: ausgezogen: also nackt: die sinnlose Auferstehung der Katz- und Maulwurfsfreundschaft; später: am Feuerlager: drei linke Uhren und in der Pforte (Pfote?): Tschisch der Zeisig (aber das Land der Wächter? – Wächterland): doch von draußen ein leises Pochen: K o p f s t e i n h ö h l e: (darin sich erinnern was gewesen sein wird): Ein Stückchen Schnur? und etwas ?Bart?, ein Tröpfchen ?Blut?: ein weißer Strich am Himmel; und: „weitermachen, weitermachen!, weitermachen ...“ (Du) doch langsamer – b e s c h a u l i c h e r (Ich); und doch ein Bild beschwören : entsiegeln, das statische Schwingen: allmählich ... denn vor und zu das Ganze sehen, überblicken wollen, und dennoch immerzu gänzlich zusammenhanglos in einer Ungesellschaft gelebt – verlebt ... Ach Lutetia! Lutetia! Und ob es (was?) sich entwickelt : auswickelt, oder immer mehr und mehr sich verstrickt, verwickelt: in die vielen Anfänge nämlich: allmählich ... und dann endlich: Draußen! (Feinwalzer?) der erste Schnee: und wir zogen unsere Kappen [Dichter] über die Ohren, sie flatterten wie junge Vögel, flogen hinaus: grau weißer Äther – Atem ... „Und aufpassen wie man den Tag beginnt!“ (Du): nämlich an-fängt, und immer offen sein für das Zufallende!: ein Schatten im Land der Toten, und einen Wortteppich knüpfen oder weben und verstrickt im Buchstabenschal: die feuerroten Schornsteine der Buchstabenwerkstatt ... „Doch es wird ein anderes Frühjahr kommen!“ rief ich dir zu: und die Menschen werden aufstehen! – auferstehen! und noch einmal das Fehlgeschlagene versuchen – erhobenen Hauptes! – unter der roten ... – ohne Ausflucht: „Doch begreifst du die persönliche Entmachtung hinter allem Individualismus!“ (schrieest du mich an) ... und die eigene Tasche mit fremden Erinnerungen gefüllt, getragen von Eigendünkel, Behauptungs-, Enthauptungswahn; und all die Jahre ruhiger Erde: bewachsen : entwachsen; kleine Gespenster gehen um, verstört vom Herbstlaub, golden flitternd über den Gräbern schwebend, und die Schritte hallten zwischen den haltlosen Worten: Mundwind : wie Gräberdunst; doch dann wieder ein Auffliegen: ein Aufwind unter den zartbesaiteten Seelen - vielleicht Seelchen ... „Wer hatte unsere Namen gerufen?“ (Du), „oder gab es noch Namen?“ (Ich): Namenstage ja : aber Namensnächte? Vielleicht Namenswächter, die uns jene enthaupteten, zum vergessen verstreuten Namen zuwarfen - (zweifelhaft), der Nordwind noch über den verklingenden Wortgebärden; und wo war die Geschichte hingeflüchtet als schon wieder die Kessel zu dampfen begannen und das Rüstzeug bereit lag?: bereit zum nächsten - größeren - größten - wenn möglich letzten ... Weitermachen!, wir müssen weitermachen!, einfach – zweifach - (Freifach?) ... weitermachen!, wirst du beinah gerufen haben das heißt: sich wieder einarbeiten - hineinarbeiten in diese Stimmung oder Stimme, sich hineintentakeln, torkelnd in den Untergang : Vorgang ... Und dann den Farbstift wechseln und immer bloß sich selbst (hotelzimmergleich) mit sich selbst herumtragen und hier und dort rasten – einrasten: dann wieder weitergehen, verwundert?, vielleicht verwundet - und wer hat uns das empfohlen? Pfahllandschaften: „doch die Steine haben Ohren“, hattest du auf eine mir unverständliche Frage geantwortet, doch was hattest du von jener Sprache verstanden? denn ständig zusammenhanglos zwischen allen Zusammenhängen (Feuchtwiesenhängen) Stadtlandschaften verlebt – verebbt; (und dort war der Farbstift ausgegangen und nicht mehr zu mir zurückgekehrt) ... Sich die winzigen Einsamkeiten herausgenommen aus der Geschichte: sie dann wieder zurückgelegt und lange am Fenster gestanden: nämlich die politische Landschaft betrachtend ... Verwirrt den Kopf eingezogen; die flatternden Möwen wie Nylonwindsäcke vom Himmel gefallen: Du bedeutetest mir: Sieh! Dort lag Ikarus erfroren im Schnee, trotzdem musste ich an die fliegenden Storchlinien denken: im Osten: Girlandenflug und hinter den blaubleiernen Wällen saßen unsere Geschwister ... Und wieder die entrückende Angst meine Kultur: also meinen Widerstand, somit mein Leben ausgespielt - verspielt zu haben; doch wie dann wieder alles aufflog – hinauftrieb im Aufwind unter den Worten: „Du hast mich gezähmt!“ rief ich : „und du hast mich beinah getötet - hinabgestoßen in deine Innenlichtung, Erinnerung“ (Du) ... Die faustgroße Zitrone: jahrhundertealt auf dem zerschundenen Reisekoffer, vielleicht dein Lieblingsstück - Liebesstück (Affäre), die Tränen? seitwärts im Kragen versteckt, aufgerichtet am Bettrand: verlegene Hände, vielleicht auch verknittert : zerknittert : einsilbig : silbrig: „Vorsicht!“ rief ich, die Rosen im Halbschlaf, beschämt über Tage, bloß die Oberfläche bewegt, berührt mit meinem Gesicht - Gedanken: während du stets unter der Oberfläche : Unterfläche sichtend lebst - lebtest, denn all die Kleinlichkeiten, weil der Mensch zu wenig im Bewusstsein des Abschieds ist: Mein zerlumptes Dasein – Lumpenleben und das verlotterte Glaubensbekenntnis des Zufalls: Schicksal? – Hörsaal – Wortwal? ... Endlich ausgedacht : oder endlich etwas ausgedacht: Das Auge ist nicht die Sonne : und umgekehrt; denn immer wusste ich wo etwas geschrieben stand, hingegen nie: was dort geschrieben stand ... Der gelbe Apfel in deinem Magen und die Fremdheit der Gesten, die Ziellosigkeit der Absicht – Ansichten: dann natürlich verdächtig - verdächtigt werden, auffallend - einfallen, und all die verrückten, verdrehten Figuren zwischen Obstschalenmüll und Traumabfall, dampfendem Brot und vagen Vorstadtabenden: detektivisches Kulissenland? aufgedeckt, längst vorgedrungen : eingedrungen in die verwickelten - verzwickten Gassen: Wortfetzen mit nach Hause gebracht – getragen; angerempelt: weil im Stehen unvermittelt schreibend über die Sätze - Gesätze gestolpert - gelacht: Märchenmond oder (Mund?); Schneegeruch aus dem Osten; Sagen vom Heiligen Gral und blind ins Jahrbuch der Seele geschrieben oder besser gezeichnet: Worte einer unbekannten Sprache ... Unterwasserkathedralen oder geologische Anachronismen: wie aus dem Spiel genommen – vielleicht gefallen – und zwischen Buchseiten gebannt - verbannt: etwa Holzschnitt wie Querschnitt: nachgerade ... Halbwelt oder Halblicht im Halbschlaf vielleicht aufgeflogen - unbemerkt, und mit mir die Sprache, oder lediglich die Worte geteilt: Geteilte Worte? leergefegte Straßen und Wege (bolognarot); und ein verwegener Mensch mit gläsernem Rücken: also zeit- und weltlos, oder keinen Platz besetzt - besitzlos (DAS HEIßT): aus dem Spiel genommen - verkommen, doch ...: in die Zeit geschlüpft, hinein-? oder hindurchgeschlüpft, schwebende Dinge schamlos enthüllt, geschichtslos und also gesichtslos, kein Dach als Gedächtnis, doch Bilder: irgendwie verkettet: eher mit Unaufmerksamkeiten: keine bewusst aus dem Schrank genommenen - hervorgezogenen Bilder: also Abbilder: sondern Nach- und Vorbilder in einem ungeläufigen, das heißt: ungewöhnlichen Sinn: vielleicht Kurzschlusssinn? Kürzestschlusssinn ohne geläufiges Bewusstsein: unbeobachtet : auch unbeobachtend – nachts – nächtelang : aber nie tagsüber: einverleibte Nächte: allenfalls durchquert, das heißt: durchlebt – durchlesen – überlebt, und im Kurzschlusssinn überlesen, weil nur so aus dem Abfalldunkel eine sprühende Farbwelt (formverschoben) abfiel, für dich? : für mich? alles eine Blitzlichtstille lang und zugleich ein Ausatmen ... Und da rief ich dann endlich: „Weitermachen, weitermachen ich oder du (Wer?) wir müssten weitermachen!“ ... Und als dann unser Bauchreden anhob - unser Bauchdialog - Magengequassel (Gurgelsprache) und unsere verfrorenen Seitenblicke hinein in die Innenhofausschnitte ... Eine Hasenpelzmütze über die Zeit (Uhr) gestülpt, im bruchlosen Spiegelglas das eigene Gesicht gesucht (Wessen?), in der Pfütze gelegen (Wer?), gestammelt (Warum?) und erdrückt von den anderen Worten ... Plötzlich ein Bär an der Leine: beschämt von seinem Vorgeführtwerden: denn jeder trägt seine Welt mit sich herum oder: jeder trägt seine Welt mit sich herum und aus, und was alles möglich wäre! ... in den Hinterhöfen verfaulendes Kriegsgerät und: „bloß keine whiskytrinkenden Männerfreundschaften!“, rief ich: denn du sollst dich mit nichts identifizieren! (infizieren) hieß das erste Gebot: denn es war etwas faul im Herz des Menschtiers: Schön ist hässlich : hässlich schön, während die Traurigkeit konsequent gegen die Angst zu arbeiten begann; Randsteinrosen in Vasen: vertrocknet – verfallen, oder langsam verblutend – ausblutend, und unsere Sprache?: eine brachliegende Vorstadt: flüchtig, wie der erste Schnee im Frühling: Löwenzahnschnee, mit Zuckerwatte in den Ohren ein letzter Blick in die Himmelskuppel: kein drohender Zeigefingerblick sondern eher ein: Pfingstrosenblütenblätterblick; dann nicht mehr schlafen können: nicht mehr schlafen wollen? oder nicht mehr können wollen, weil stets ein nächster Morgen – bei jedem Streifblick aus den Fensterritzen – aufleuchtet : unverschanzt: wie ein unendliches Bewusstsein und auch die Arbeit gegen dieses Bewusstsein: da das Ich eine Last - eine Qual bedeutet, jedenfalls großteils, das heißt: größtenteils. „Wo hatte ich die falsche Abzweigung genommen?“ (Du) aus dem Schlaf heraus, damit hattest du dir vom Schlaf etwas abgezweigt, während ich hartnäckig von Zeile zu Zeile schritt: oder besser: von Wort zu Wort: oder auch nicht mal ein Wort?: vielleicht nur ein Wortfragment: wie ein unabgeschlossener Blick so mir nichts dir nichts in die beginnende Taghelle hinein, nichts Besonderes sehend – erschauend – erschaudernd: nämlich hier an Lots Töchter gedacht : dort an Iwan (doch welchen Iwan?), er war doch auch nur ein Fragment, andere würden sagen ein Halbwissen: also vielleicht auch nur eine halbe Vorstellung oder Illusion? „aber es gibt ja ohnehin nur Halbheiten“, hörte ich dich noch aus dem Schlaf heraus murmeln, und auch das Ich war ja bloß eine Halbheit: noch weniger: eben: ein Fragment, Sediment (wovon?): ein gespiegeltes-verspiegeltes Du ... Ja? (russisch), wie dieses Buch aus Schkaf 5, Polka 7 (ebenfalls russisch): Möwentau; glattrasierte Fingerkuppe, Fingerkuppel: und woher nur dieser Nasenmundhöhlengeschmack wenn ich mich an Nadel und Zwirn, also an meinem Unsinn - Vorsinn, zu schaffen mache?: vielleicht so etwas wie Großvatergeschmack?, das heißt: Unglücksreigen – Familienfluch. Ein Menschvogel: oder Vogelmensch? und an den Säulen kleben schon die Banner: farbbespritzt (noch!), doch bald: blutverschmiert, denn in den Hinterhöfen wird bereits das verfaulende Kriegsgerät ein- und umgeschmolzen: nämlich der großen - gigantomanischen Entmenschungsmaschine wegen, daneben?: ein zartes Veilchen, vielleicht Frühsommergeruch und Gezwitscher über deinem zarten (wie war das noch?): ja! - V o r f r ü h l i n g s k o p f ; die Fahnen fluchen: Maskerade! weil hinter vorgehaltenen Worten Herzen dahindämmern – doch in Fahrt ein winziger Mann: ein Bonsaimensch: seine Zeit (Zeitung?): ins Licht getaucht, die Augen voll Schlaf : oder ein Grenzland nach Worten fahndend?: Fahnenflucht! – Fahnenfluch! und die schwarzen Engel noch über den Torbögen, die Brückensphinx vor der Dämmerungsloge einzelne Worte quellgleich und atembehaucht aus der Fäule ihres mundähnlichen Geschwulstes sprudeln lassend: Dämmerungssprache! Dammbruchsprache? Verdammt! und mit der Feder alles verzeichnet, das heißt: erfunden - irgendwo vorgefunden - vorgezeichnet: überhitzter Diskurs?: Diskus – Fiskus usw., und die Wappeneule flog auf und davon (lachend künstlich); ein müder Blick aus intelligenten Augen; das Nichts – vom überrunden des Fortschritts gezeichnet und zurückgeworfen anhand chirurgischen Eingriffs, Vorgriffs – entblößt, dennoch eine glühende Abfuhr düstren Phantasmas: eine Ab-Reaktion wie: plötzliches Händeringen oder Mundsingen das heißt: eine Art Echo, das die Leere erst aufweist - aufzeigt, das heißt auch: die Barrikade unterlaufend: hinter ihr : vor ihr, hin und her im Zeitfenster ... und was das Alles noch ist?: Vertrockneter Falter! Totenkopffalter wach auf! Flattre um das weißbärtige Frauenhaupt! ... stolpernde Zeit und: dicht unter dem hochgewachsenen Moos: kleinrote, paradiesapfelförmige Beeren ... „Ich hab mich doch längst überlebt - überholt“ hörte ich mich im Aufwachen noch sagen, oder war dies bloß die übersteigerte Wahrnehmung des Zwecklosen – Entzweckten?: goldgelber Regen – verlassene Gräber – entwurzeltes Laub: blicklichtartig aufgedeckt und zugleich wieder zugedeckt - eingehüllt; ein automatischer Handgriff am Rande des Blickfelds, d. h.: des Bewusstseins; den Geschichtsanfang gebrochener - verbrochener Träume ins Rotbuch geschrieben: in Erinnerung geheftet: aus zweiter Hand und einer anderen Sprache ... das falsche also verkehrte Leben gelebt? den verkehrten Dingen zugesprochen? ein andres Kapitel? Nein! denn du hattest den Tag berührt: das Blau; schwarzgetrockneter Wein: das Blut lassen wir beiseite: und die Trauer?: ins Gesicht geschrieben (ohnedies); hattest du dich geregt? gerekelt? ... doch da war es bereits Abend geworden (fremd), und im Unverstand an Land gezogen, ins diffuse Licht, das schattenlos kleine Gebäude: „Denkmal“ nanntest du es, weil du darin dein Schicksal bedachtest: „Verdächtig“ nanntest du mich, weil ich behutsam, also ohne meinen Hut zu lüften, von oben in dich hineinschielen wollte ... „Mir schien die Einsamkeit in der Waldluft ein Höhenrausch! zwischen den erhitzten Moosbeeren all die glänzenden Steine! der mürbwarme Boden und die kristallklaren Sterne! eine samtene Stimme, der duftende Mond, ...“ (Du), aber das Geschiele?: kein bestimmtes, eher zwei völlig getrennte Gesichtshälften: (eine): alterslos in die Abwesenheit : (die andere): wölfisch in eine Überfülle von Anwesenheit spähend ... (hattest du eigentlich an ??. gedacht?, oder ich an ??) jedenfalls auf der Sonnenseite waren wir dann aneinander geraten: (verlegen) immer noch, während du (wie du später erzähltest) dem zarten Junischnee in den senfgelben Hinterhöfen gedachtest rief ich dir zu: „siehst du! wie die Spatzen aus den Pfützen trinken und die Leidenschaften verdursten, und: siehst du! wie sich die Dinge und Ereignisse seltsam verschalten - verschränken!“ ... aber dein strohiges Haar im Windsaum, dein Gelächter: lautlos; dein vorwärts treibender Blick - Blicklicht - blickdicht: „Der Spiegel im Rücken, die Apokalypse vor uns!“ riefst du, doch da war schon von Weitem, in der Ferne über den Dächern ein Anflug abgründiger Leichtigkeit, vielleicht Leichtsinn zu sehen; Rotwindiger Ahorn; blutende Ohren; kaleidoskopische Blicke in eine mimetische Authentizität: deine Verinnerungsräume?: Mont Martre oder: Mein Martyrium abgeschlagenen Hauptes: Dionysos! wieso hattest du nicht in dein Inneres geblickt, dein Hirn durch den Hals herausgezogen – es betrachtend – der umstehenden Menschenmeute vor die Füße geworfen? Innere Äußerlichkeiten und: „was soll da schon zu sehen sein?!“, hattest du rufend gefragt: Schielende Seelen; Wortgefechte; ein Hase im Abflussrohr; ein fliegendes, sonnenverglitzertes Raupentier; frisch errötende Berghänge; ein Aufruf zur Haltlosigkeit ... „Und ein kleiner Dreh und schon ist wieder etwas im Gange: am Laufen“, dachtest du laut: ... Und ein Künstler erklomm eben die letzte Sprosse seiner Leiter, er lässt nun Farbe (schüttend) auf den Boden laufen: also!: Der Künstler auf seinem Höhepunkt!, (Übrigens!): ein Zitat, wie: Zitadelle, und dieser bescheuerte Gedanke ich könnte morgen endlich einmal den Fußboden scheuern, „gib acht, wie du den Tag anfängst!“, hattest du mir im Handumdrehen noch zugerufen: mit beschlagenen Ohren, verschlagenen Gedanken, einem losen Trauminhalt: am Morgenteich eine uns verlachende Ente, ein füchsischer Kehlschnitt verwandelt in eine beleidigte Katze (nebelverhangen) vor dem Klosterportal wartend, drinnen?: die Mönche noch nackt

orfeus kharm (2005)